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Dietmar Haiduk ProbeLesen.info ist ein Projekt von Dietmar Haiduk.
Autoren
Haiduk, Dietmar Linke, Marco W. Schilling, Barbara
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LESEPROBE
Jeffy & Bernadette (Drehbuch) Jeffy hat, was man für ein glückliches Leben braucht: Er ist jung, lebt mit einer Frau zusammen, die ihn mehr liebt, als jeden anderen Mann und auch die kleine Tank-stelle, die er besitzt, wirft genug zum Überleben ab. Nichts Besseres könnte ihm also passieren – wäre die Tankstelle nicht marode, die Gegend nicht von Menschen leer gezogen und die Frau an seiner Seite keine zwanzig Jahre älter. Jeffy will weg, aber er ist blind und da verlässt man nicht so einfach, was einem vertraut ist. Also richtet sich Jeffy ein: mit coolen Sprüchen, abgedunkelter Brille und illegalem Glücksspiel. Er klammert sich an das, was ihm die Jahre über geblieben ist und versucht ein normales Leben. Bis die Trennung und der Abschied nur umso schmerzhafter und endgültiger sein können.
Dass Jeffy seit der Explosion von Benzinfässern, bei dem auch sein Vater vor vielen Jahren ums Leben kam, erblindet ist ahnt keiner, der ihn nicht wirklich kennt. Jeffy hat sich perfekt arrangiert mit seiner dunklen Welt: Nur auf seinem eigenen Grund und Boden kennt er sich wirklich aus. Fremden präsentiert er sich unter der ewig dunklen Brille als ein sich selbst inszenierender Macho mit coolen, manchmal witzigen Sprüchen. Und als einer, der über jedes Auto mit dessen Besitzern ins Gespräch kommt – weil er es flink ertastet oder einfach an Moto-rengeräuschen und Benzingeruch erkennt.
Bernadette, mit guter Figur und dunkelhaarig, führt Jef-fy Tag für Tag, Jahr für Jahr, durch die Dunkelheit eines Blinden. Das ist Jeffy Hilfe genug. Beide geben sich ihren verzehrenden Gefühlen hin, als gelte es, der Tris-tesse des sie umgebenden Lebens eine unbeherrschte, animalische Liebe entgegenzusetzen. Und so treiben sie es allabendlich, fast ritualisiert, auf eben jenem Roulette-tisch im Keller der Tankstelle, an dem die Jugendlichen der Umgebung – ebenso allabendlich, kurz zuvor – Abwechslung von der Eintönigkeit ihres Lebens suchen.
Früher war Bernadette die Geliebte seines Vaters. Nach dessen Tod blieb sie und wurde einfach Jeffys Geliebte. Dass daraus nach Jahren unmerklich Ansprüche aufein-ander entstanden – auch eine fast zwanghafte Bindung – merken beide erst, als Neues einbricht in die abgeschie-dene Idylle aus Alltäglichkeit, Einfachheit und Ruhe. Mit Wallmann, einem aufdringlichen Investor aus Deutschland, der das Land unter der Tankstelle als Bau-grund beansprucht, taucht eine neue Frau in Jeffys Leben auf: Ihr Name ist Hanna.
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Dietmar Haiduk, Jeffy & Bernadette ISBN 9-7838-37026-498, Drehbuch, erschienen Mai 2008 im Verlag Books on Demand GmbH, 9,95 EUR (inkl. gesetzl gültiger MWst), erhältlich u. a. libri.de, amazon.de Webseite I Kontakt I Buch bestellen
Jung, charmant und unterhaltsam treibt sie ihr Spiel perfekt: Sie flirtet, verführt und dient so in Wallmanns Auftrag dem Immobiliengeschäft. Jeffy ahnt nicht, dass Hanna auf ihn angesetzt ist, um ihn zum Verkauf der Tankstelle zu überreden und ihn auf diese Weise aus der Gegend zu vertreiben. Jeffy verliebt sich in diese Frau, die so ganz anders ist als Bernadette, der nun – an den Rand gedrängt – nach Jahren der Verlässlichkeit, der Boden unter den Füßen wegzubrechen droht. Bernadette weiß: Nichts bliebe ihr noch, sollte sich Jeffy irgendwann tatsächlich mit dieser neuen Hanna auf und davon machen.
Und so klammert sie sich an ihren Jeffy. Der Blinde, der sie braucht, um zu leben, begreift nun, dass auch Bernadette ihn braucht, um zu leben. Eifersucht bricht hervor, während die Idylle der vergangenen Jahre in Ketten gelegt wird. Bernadette, zu alt und aufgebraucht für einen Neuanfang, will retten, was längst verloren ist. Jeffy aber will dieser Umklammerung entkommen. Ab diesem Moment sind alle gezwungen, ihr Leben zu überdenken: Jeffy, Bernadette und auch Hanna. Als diese ihr schändliches Spiel später begreift, ist sie längst in Jeffy verknallt, kündigt ihrem Auftraggeber Wallmann und zieht kurz darauf in den Wohnwagen des völlig überraschten Jeffy ein. Das Gekeife zwischen ihr und der Rivalin Bernadette beginnt …
Jeffy aber, des nicht enden wollenden Streits der Wider-sacher überdrüssig, geht schließlich auf eine Forderung Wallmanns ein: Eines Nachts treffen sich beide am ille-galen Roulettetisch und spielen um die Tankstelle – jenen Ort, der für Jeffy vor allem Ort seiner Kindheit, seines Lebens und damit bisheriger Sicherheit und Vertrautheit bedeutete. All das steht in jener letzten Nacht auf dem Spiel. Jeffy gewinnt, aber glücklich ist er nicht wirklich. Denn nichts ist mehr, wie es war und nichts hält ihn also mehr. So verlässt er den Ort. Nicht mit Bernadette, aber auch nicht mit Hanna. Irgendwo, weit weg, hofft er auf ein anderes Leben für sich.
Jeffy & Bernadette ist eine spröde Geschichte – spröde erzählt. Weite Landschaft, karge Bilder. Entsättigte Far-ben. Prall von animalischen Gefühlen, Liebe, Leiden-schaft und dem gegenseitigen Versteckspiel voreinander. Ein ständiger Wechsel von Stimmungen, auch in Bildern und Musik: Ruhe und Gelassenheit gegen explodierende Sequenzen, selbstinszenierte Eitelkeiten gegen tränenreichen Schmerz. Trashige Musik gegen Stille. Nichts aber bleibt dem Zuschauer voraussehbar: die Geschichte der Figuren nicht und auch nicht sein Lachen oder Weinen am Ende des Films.
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